(* 05. Dezember 1918 in Rastenburg, Ostpreußen; † 26. Mai 1984 in West-Berlin)

Das Kernthema der Bildhauerei – die menschliche Gestalt – manifestiert sich in der künstlerischen Umsetzung seit ihrem Beginn in der Antike. Doch bevor sich der Künstler Waldemar Grzimek mit dieser Thematik auseinandersetzte, beschäftigte er sich mit einem anderen Motiv: Tierplastiken.

Bereits mit elf Jahren fertigte der Bildhauer erste Modellierungen von Tieren an, deren Vorlagen er im Zoologischen Garten in Berlin fand.

Sowohl bei seinen ersten Arbeiten wie auch bei seinen Menschenbildwerken ist der Künstler ein Traditionsbewahrer. Ganz im Sinne von Auguste Rodin hielt er an der Darstellung der Figur fest. Ohne jegliche Verklärung wird der Mensch nach seinen tektonischen Regeln und gemäß dem organischen Aufbau gezeigt, so dass er sich uns in seiner leiblichen Beschaffenheit und in seiner gänzlichen Gebärde präsentiert.

Seine Skulpturen und Torsi sind sinnlich fassbare Metaphern, die aus der Tiefe seines Wesens, aus einer schöpferischen Lust, entstehen. Die Menschen zeigen sich nicht nur mit all ihrer Energie und Ausdruckskraft, sondern in ihren wesentlichen Grundzügen: Geprägt von seiner Zeitepoche – Hitler-Diktatur und Krieg – schuf er Bildwerke, u. a. die nationale Mahn- und Gedenkstätte des Konzentrationslagers in Sachsenhausen. Neben einer politischen Thematik gliedert sich das Thema von Liebe und Eros ein, das er insbesondere in üppigen Frauengestalten bildhauerisch übersetzte.

Ein Hang zum Variieren findet sich nicht nur in der Themenauswahl, sondern in seinen Darstellungen und Materialitäten. Neben Porträts, Torsi und Einzeldarstellungen sind es Menschengruppen, die den Künstler faszinierten. Er fertigte seine Werke u. a. aus Granit, Holz, Keramik und Marmor an, wobei er hauptsächlich als Bronze-Bildhauer tätig gewesen ist.

Grzimek galt als Realist, da seine Skulpturen aus der Notwendigkeit der Natur entstanden sind und sich für jeden, der zu sehen versteht, von selbst erschließen.

Bereits 1924 siedelte der junge Künstler mit seiner Familie nach Berlin um. Dort begann er 1937 eine Steinmetzlehre bei Philipp Holzmann AG. Im Anschluss studierte Grzimek bis 1941 Bildhauerei bei Wilhelm Gerstel an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Mehrere Jahrzehnte war er als Professor tätig, u. a. in Berlin und Darmstadt und nahm 1964 an der documenta III in Kassel teil.

In zahlreichen deutschen Städten kann Grzimeks Nachlass, der sich nicht nur aus bildhauerischen, sondern auch aus zeichnerischen, graphischen und schriftlichen Zeugnissen zusammensetzt, bewundert werden.Hierzu zählt eine Brunnenanlage auf dem Wittenbergplatz in Berlin oder die Buchenwaldglocke, die für den Glockenturm des Konzentrationslagers Buchenwald angefertigt wurde.