(* 1984 in Masan, Korea)

Die Künstlerin Shinae Kim studierte von 2002 bis 2007 an der Hongik Universität in Seoul, bevor sie – 2008 – an die Kunstakademie für Bildhauerei nach München kam. Unterrichtet von Nikolaus Gerhart und Olaf Nicolai entsteht ihr einzigartiges Werk, das mehrere Sinne vom Betrachter fordert, um zugänglich zu werden.

Die gebürtige Koreanerin widmet sich in ihren Zeichnungen und Installationen intensiv dem Thema Raum und Raumtransformationen. Sie erfasst den Raum in mehreren Ebenen, wodurch sie oftmals zwei Gegenwelten aufbaut. Ihre Konzepte basieren auf mathematische oder physikalische Formeln, um den Raum über reine Erfahrungswerte hinaus zu verstehen. Neben der Wissenschaft nimmt das Licht eine wichtige Rolle ein. Mittels diesem Element definiert die Künstlerin einen Raum, schafft Illusionen oder integriert andere Räumlichkeiten in bestehende Räume. Sie erweitert den bestehenden Raum ohne direkte Umbaumaßnahmen durchzuführen.

Die Zimmergalerie Gierig in München wurde durch Kim selbst zu einem Kunstwerk, indem sie eine Rauminstallation und Videokunst darin integrierte. Durch ihre Fotocollage The White Window schafft sie durch eine abfotografierte Lichtreflexion ein zusätzliches Fenster in der Galerie. Es entsteht demnach ein weiteres Fenster, durch das ein weiterer Raum erblickt werden kann. Sie ermöglicht dem Betrachter eine Entdeckungsreise, in dem sie Kunst zum Anfassen und Erleben schafft.

Bezüglich Kims räumlichem Auffassungsvermögen stellte sich die Frage, was sich ihrer Meinung nach zwischen zwei Punkten befindet: Wenn zwei Punkte in Koordinate liegen, so besitzen beide eine Null Dimension. Was beide Punkte miteinander verbindet ist eine Linie. Bei einer Dimension gibt es demnach nur eine einzige Gerade, auf der sich zwei Punkte befinden können. Gibt es zwei Dimensionen, so existieren unendlich viele denkbare Linien. Auf diesen Linien befinden sich Orte, die man auch als Nicht-Orte definieren kann, da sie ortlos erscheinen. Diese existieren in mehreren Dimensionen und ihnen kann keine exakte Koordinate zugeschrieben werden, weshalb eine unbegrenzte Anzahl von möglichen Punkten vorliegt, wo sie sich befinden können – diese Orte sind undefinierbar und entsprechen Nicht-Orte. Nach dem Anthropologen Marc Augé werden diesen Orten folgende Charakteristika zugeschrieben: Sie sind weder historisch, noch relational und nicht identitätsstiftend.