(* 6. April 1937 in Berlin)

Figuren mit einer starken Intensität von Sinnlichkeit repräsentieren das Œuvre des Bildhauers Richard Heß. Egal ob Mann oder Frau oder als Paar, der Künstler hält an der Präzedenz des menschlichen Körpers fest. Diesbezüglich äußert sich Heß folgendermaßen: „Die Bildhauerei war in Deutschland nie so gefährdet wie heute, da das Menschenbild immer mehr verloren geht.“

Heßs Bildwerke – auch Torsi oder Reliefs –, die – wie Horst Schwebel passend beschreibt – „(…) das reale So-Sein der menschlichen Figur“ darstellen, liegen, stehen, sitzen oder räkeln sich in gewohnten Posen. Die Körperhaftigkeit der Frauen ist gekennzeichnet von Rundungen und Laszivität, die Männer sind muskulös oder werden in ihrem Greisenalter dargestellt. Oftmals werden die Menschen mit Attributen ergänzt oder in einem Raum, der sie umgibt, eingeschlossen. Neben der Freude setzt sich der Künstler auch mit der Brutalität des Menschenseins auseinander, wobei gefesselte oder ausgelieferte Figurendarstellungen das Werk Heßs prägen.

Auch wenn sich die Figuren teilweise in einer antiken Nacktheit präsentieren, wodurch sie an archaische Stauarik erinnern und gefördert durch ihren Gestus und Torso figurativen Umsetzungen der Antike sehr nahekommen, handelt es sich um keine Idealbilder oder abstrakte Werke. Es sind Menschen in ihrem elementaren Zustand mit Volumina und Maßverhältnissen und repräsentieren keine gedachte Vollkommenheit. Aus diesem Grund können die Figuren dem Betrachter bereits begegnet sein, sie werden dadurch Teil der Wirklichkeit und treten uns vertraut gegenübertreten.

Diese Betrachtungsweise von Plastik entspricht der Auffassung von Waldemar Grzimek, bei dem er von 1968 bis 1971 als Assistent an der Architekturfakultät an der Technischen Hochschule in Darmstadt tätig gewesen ist. Zuvor genoss er eine Holzbildhauerlehre bis er von 1957 bis 1962 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin studierte und von 1962 bis 1983 Meisterschüler bei Bernhard Heiliger gewesen ist. Nach seiner Zeit als Assistent dozierte er ab 1972 für acht Jahre an der TH Darmstadt und hatte im Anschluss bis 2001 eine Professur an der Fachhochschule Bielefeld inne.
1999 kehrt Heß in seine Geburtstadt Berlin zurück, wo er heute lebt und arbeitet.

Der Künstler ist in vielen Ausstellungen vertreten und wird von vielen Sammlern in Italien – aufgrund seiner traditionellen figurativen Plastik – bewundert.

Die künstlerische Auseinandersetzung, die sich so nahe am Menschen orientiert, macht neugierig auf Neues, auf Unbekanntes und ermöglicht uns neue Betrachtungsweisen.