(*14. Oktober 1926 in Ahlen/Westfalen; † 6. Mai 2010)

Im Alter von 18 Jahren kehrte der Künstler Rainer Küchenmeister aus seiner dreijährigen Haft im Konzentrationslager zurück. Während dieser Zeit wurden seine Eltern ermordet. Gewalt und Tod waren sein täglicher Begleiter. Es sind Ereignisse, die nicht nur seelische Spuren hinterlassen haben, sondern sich in seiner Kunst widerspiegeln: Skepsis und die Liebe zur Stille.

Küchenmeister studierte von 1946 bis 1947 an der Meisterschule für das deutsche Handwerk in Bielefeld. Im Anschluss besuchte er bis 1950 die Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Abgewandt von Action Painting und Informel komprimieren sich in seinen Aquarellen, Zeichnungen, Malereien und Skulpturen körperhafte Erscheinungsbilder zu einer neuen Figuration. Diese fremdartigen abstrakten Formen treten uns wie Geister oder Gespenster gegenüber. Sie tragen keine Gesichter, sondern leben hinter Masken und drücken einen tragischen und bestialischen Inhalt aus. Der Maler lädt die gemalten Figuren mit sarkastischen Akzenten und latenter Sexualität auf. Sein Bildsujet entsteht durch einen dicken und dichten Farbauftrag, der sich – in den Aquarellen – in einer transparenten Schwerelosigkeit auflöst. Feinste Zeichnungen steigern sich zu einer gewaltsamen Schärfe und dienen dem Künstler als Spiegelbild. Diese Ausdruckskraft wird unterstützt, in dem Küchenmeister die Farbe u. a. mit Spachtelmasse bearbeitet, wobei sein Gefühl von Material und Handwerk deutlich wird, das er in seiner Lehre als Dekorationsmaler verinnerlichte. Die verschlossenen Figuren verfügen über gefühlvolle Variationsebenen, die sich durch unterschiedliche Farbnuancen ausdrücken. Sei es, dass die organischen und vegetabilen Formen als ästhetisch oder hässlich, friedlich oder bösartig empfunden werden, sie beinhalten immer einen Sinn, einen Wert, der vom Betrachter ausgeht.

Die Form muss bei Küchenmeister mit der Farbe eine Symbiose eingehen. Dann wird seine Kunst von einer magischen Kraft erfüllt, erhält Symbolcharakter und zeigt uns die Welt und Menschen, wie er sie selbst erlebte. Seine unbewegten Figuren leben nicht passiv, sie skizzieren eine Aktion.

Rachsüchtige Gedanken, die sich in seinen menschlichen Abbildern ausdrücken können, liegen dem Künstler fern. Er will unseren Blick schärfen.

Küchenmeister lebte lange Zeit in Paris und in der Normandie. Er feierte seinen internationalen Durchbruch auf der Documenta III – 1964 – in Kassel.