(*1944 in Reichenberg / CR)

Das bevorzugte Material, um die überwiegend großformatigen Skulpturen der Bildhauerin Ingrid Hartlieb herzustellen, ist das Holz, das aus unterschiedlichen Baumarten stammt. Aus Baumscheiben, Kanthölzern, Balken, Rest- und Fundstücken schichtet und verleimt oder verschraubt die Künstlerin ihre dichten, kompakten und voluminösen – teils mit einem Hohlraum versehenen – skulpturalen Formen. Ihre Objekte erhalten eine eigene neue körperliche Identität, auch wenn sie aus einzelnen Formen zusammengefügt wurden, an denen sich noch Reste ihrer Vergangenheit klammern. Mit einer Kettensäge modelliert, kristallisiert sich die von der Künstlerin intendierte Kontur heraus.

Auf ihren Bildwerken finden sich teils skizzenartige Bearbeitungen an den Skulpturenoberflächen mit Bleistift und Farbe. Neben diesen zeichnerischen Aspekten ist es für die Künstlerin von Bedeutung, dass sich ihre skulpturalen Arbeiten aus Bildhauerillustrationen – dominierend aus schwarzer Ölkreide – entwickeln, „denn die Zeichnung ist der Idee am nächsten“, so die Künstlerin.

In unterschiedlichen Werkgruppen thematisiert die Bildhauerin oftmals die humane Existenz. Aufgrund der reduzierten Formen ihrer Werke resultiert die Eigenschaft, dass sie sich nicht allein auf das Figurative beschränkt, sondern die Plastiken tragen dazu bei, inhaltlich mehrere Bedeutungen zu assoziieren. Die vorhandene Zeichenhaftigkeit bewirkt demnach, Symbole – wie eine Rettungsboje – umzukehren, wodurch ein enthaupteter Menschenschädel kenntlich wird.

Das natürliche und fließende Leben wirkt in ihren Skulpturen kantig und künstlich, entspricht folglich den materiell bedingten Eigenschaften, die zugleich auch wieder menschlich sind. Das Menschliche in ihren Arbeiten wird aber auch dadurch kenntlich, dass die Spuren ihres Arbeitsprozesses sichtbar sind. Des Weiteren spielt der Begriff der „Psyche“ eine entscheidende Rolle, in dem sie in ihren Arbeiten versucht – anhand von Oberflächenbearbeitung, Maserungen oder Schnittrichtungen – eigene Emotionen, Ängste und Erlebtes wie ein Netz über ihre Werke zu werfen, denn „sie sind Form gewordene Reflexionen über die Welt, Chiffren menschlicher Existenz“, wie die Künstlerin selbst erläutert.

Die Bildhauerin und Zeichnerin Ingrid Hartlieb studierte von 1972 bis 1977 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

FOTOS

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Abbildungsnachweis Ingrid Hartlieb:

Ingrid Hartlieb_1: Ingrid Hartlieb. Abstandhalter / Schutzschilder / Fluchtwerkzeuge…, S. 4.

Ingrid Hartlieb_2: http://static1.mainpost.de/storage/pic/mpnlneu/swh/sk/2897656_1_186Q6P.jpg

Ingrid Hartlieb_3: http://u.jimdo.com/www25/o/sfe828ab310ee8166/img/iaf16dd2dc34ca059/1279487503/thumb/ingrid-hartlieb-foto-a-p-mutter.jpg

Ingrid Hartlieb_4: Ingrid Hartlieb zeigt ihre „Doline“, eine in monatelanger Arbeit entstandene Skulptur aus verschiedenen Holzarten. Foto: Eisenhardt, in: http://www.esslinger-zeitung.de/imageServer/bilderverwaltung/Artikelbilder/20120512/thumbnails/201963_442x394_1205201212st04b.jpg

Ingrid Hartlieb_5: http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2012/09_es/Ingrid_Hartlieb.JPG