(* 01. Januar 1926 in Trossingen; † Oktober 2006 in Stuttgart)

Die beiden Begriffe Innen und Außen charakterisieren die Kunst des Bildhauers Hans Dieter Bohnet, der zunächst an der Technischen Hochschule 1945/46 Architektur und im Anschluss Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden in Stuttgart studierte. An der Kunsthochschule war er von 1948 bis 1950 Meisterschüler bei Otto Baum, dessen Kunstverständnis das Werk von Bohnet bis Anfang der 60er Jahre stark beeinflusste.

Ein zentraler Punkt seines Gesamtwerks ist es, die Spannung zwischen Natur und Architektur zu lösen. Der Bildhauer präferiert das Arbeiten im Raum, wobei seine Plastiken thematisch im Dialog mit der Umgebung stehen, denn er verbindet kollektiv das Außen der Architektur und das Innen der Plastik. Um dies zu erlangen, kooperiert Bohnet eng mit Architekten zusammen.

In seinen frühen Arbeiten setzte er sich insbesondere mit figürlichen Plastiken auseinander, die durch Reduktion und Abstraktion im Wechselspiel mit konkaven und konvexen Formen, ein harmonisches Miteinander bilden.

In seinen verschiedenen Schaffensphasen widmet er sich u. a. aus Bronze, Edelstahl oder Aluminium teils primär organischen, dann wiederum mehr anorganischen Konturen. Er bildet labyrinthische Gehäuse-Plastiken, die sowohl ihr Inneres als auch ihr Äußeres spüren lassen und in denen sowohl Organisches als auch Anorganisches ineinander verschmelzen. Ende der 60er Jahre löst er sich von den fragmentarischen Objekten und widmet sich – in der Sehnsucht nach Klarheit – reinen geometrischen Körpern. Hierbei nimmt die Kugel – mit ihrem beständigen Übergang – und der Kubus eine zentrale Rolle ein. Wie auch bei seinen vorherigen Arbeiten hinterfragt er deren Raum und Format. Er bricht den Körper auf, zerlegt ihn in Einzelteile und lässt diese wiederum gemeinschaftlich rotieren. Seit den 1990er Jahren beschäftigte er sich, fasziniert von dem körperlichen Aufbau, mit der Form des Oktaeders.

Bohnet ist ein Künstler, der uns die inneren Konstruktionsprinzipien von plastischen Gestalten nach außen sichtbar macht. Die daraus resultierenden manipulierten Konstruktionen sollen den Betrachter zum Nachdenken über die eigene Wahrnehmung anregen.

Laut Kräubig ist „Plastik die Sehnsucht, des Inneren, im Äußeren sich ganz zu haben, im Äußeren selbst ganz innerlich zu sein“ und genau diesen Aspekt deskribieren die Kunstwerke von Bohnet.

Seit 1950 bis zu seinem Tod lebte der Bildhauer als freischaffender Künstler in Stuttgart. Dort konnte Bohnet zahlreiche Werke im öffentlichen Raum realisieren, wobei man fast von einer Retrospektive sprechen könnte, da die Arbeiten aus über 60 Jahren seines Schaffens stammen.

FOTOS

Hans Dieter Bohnet - kugelobjekt integration