(* 1. April 1940 in Graz; † 28. Oktober 2011 in Graz)

Die Adjektive exzentrisch, bizarr und unkonventionell beschreiben das Werk des österreichischen Künstlers Franz Ringel. Im Mittelpunkt seines Œuvre steht die figurative Malerei, die ihren besonderen Charakter durch die expressive bunte Malweise – bei der die Farbe teils manisch aus der Tube auf die Leinwand gedrückt und mit Papier verschmiert wird – erhält und zudem gekritzelte Zeichen den Malprozess spüren lassen. Die ersten Figurenbilder findet man bei Ringel seit Mitte der sechziger Jahre. Hierbei handelt es sich um sexuelle Organ-Chiffren im sogenannten Kasper-Stil. Seine Menschen – die an Kasper-Figuren erinnern – sind Metaphern, die einer moralistischen und obszönen Welt angehören. Die abgebildeten negativen Helden- und depravierten Märtyrerfiguren geben des Künstlers phallische Phantastereien wieder und können sowohl als Blasphemien als auch Huldigungen an ein laszives Lebensprinzip gelesen werden das oftmals verdrängt wird. Die Heldenfiguren finden sich in seinem gesamten künstlerischen Schaffen, worin er Personen wie Dante, Beethoven und James Dean oder mythologische Größen würdigt. Diese maßlosen Figuren – im Sinne, dass sie sich von traditionellen, klassischen, edlen apollinischen Formen abwenden – scheinen mit ihren schwellenden Gliedern den Bildraum aufzubrechen. In seinen Werken tauchen Assoziationen auf, wie der Schrei von Edvard Munch, die als malerisch existenzieller Reflex in das neue Bild einfließen.

1986 fertigt der Künstler eine Reihe von Selbstportraits – Gesichtslandschaften, die in verschiedenen Konstruktionen assimiliert wurden – an, in denen er sich selbst erkennt, demnach selbst mitteilt und das alter ego zum ego transferiert. Dies findet über den dargestellten Kopf, der das rationale Zentrum unserer Entscheidungen ist, statt. Der Künstler legt somit das Intimste – seine Zerstörbarkeit und Brüchigkeit – offen, gepaart mit Widerstand, Aufbruch, Rebellion und Subversivität.

Seit den neunziger Jahren wird dem Bildhintergrund eine dominantere Rolle als zuvor zugeschrieben. Die Malerei wird freier und erreicht einen größeren Abstraktionsgrad.

Die Kunst von Ringel soll nicht delektieren, sondern sie wird von einem starken Aufforderungscharakter getragen, der nach der Wahrheit sucht. Seine Darstellungen sind veristische Gegebenheiten, Abbilder der Wirklichkeit, die auf Erfahrungen beruhen und das Innerste zeigen soll.

Ringel besuchte von 1955 bis 1959 die Kunstgewerbeschule in Graz. Im Anschluss studierte er in Wien bei Hans Knesl an der Hochschule für Angewandte Kunst und von 1960 bis 1965 an der Akademie der Bildenden Künste bei Professor Albert Paris Gütersloh, ebenfalls in Wien. Er ist Gründungsmitglied der Gruppe Wirklichkeiten und seine Werke befinden sich in zahlreichen privaten als auch öffentlichen Sammlungen auf dem internationalen Kunstmarkt. Der Künstler verstarb 2011 nach langer Krankheit im Kreise seiner Familie in seiner Geburtstadt Graz.

FOTOS

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SAMMLUNG ESSL AUSSTELLUNG: Ò FRANZ RINGEL - STATIONEN EINER REISE Ò / FRANZ  RINGEL

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Abbildungsnachweis Franz Ringel:

Abbildung 1: http://www.ejournal.at/ArtSite/bookrow/ringel.jpg

Abbildung 2: http://diepresse.com/images/uploads/0/2/d/704557/kuenstler_franz_ringel_franz_ringel20111028162328.jpg

Abbildung 3: http://www.nachrichten.at/nachrichten/ticker/Oesterreichischer-Kuenstler-Franz-Ringel-71-jaehrig-verstorben;art449,748513,B

Abbildung 4: M.J.M. Ringel, Arbeiten aus den Jahren 1967 – 1993, Kunstamt Wedding Berlin, S. 3.

Abbildung 5: M.J.M. Ringel, Arbeiten aus den Jahren 1967 – 1993, Kunstamt Wedding Berlin, S. 58.

Abbildung 6: Franz Ringel, Katalog zur Einhundertersten Ausstellung bei Sydow-Zirkwitz, o.S.