(* 19. August 1927 in Göttingen)

Erste plastische und zeichnerische Versuche von Emil Cimiotti begannen in einer Zeit, als Deutschland noch in Trümmern lag und die Menschen nichts anderes als Nazikunst und Krieg kannten. Der gelernte Steinmetz studierte von 1949 bis 1953 Bildhauerei in Stuttgart, wobei ihm Willi Baumeister als Berater konstruktiv zur Seite stand und großes Interesse an seiner Kunst zeigte.

Seine Bronzeplastiken gehören aufgrund ihrer Abkehr vom Figürlichen – zugunsten „offener“ Strukturen – der informellen Kunst an. Diese abstrakten Arbeiten führen dazu, dass der Betrachter mit einem unbekannten Eindruckserlebnis konfrontiert wird. Zusätzlich werden Leitbilder erwartet und nach dem Sollwert gefragt, der solch einer Ausführung vorangeht, um den Inhalt der Werke zu verstehen. Doch diese Erwartung wird seitens des Bildhauers gegenüber dem Betrachter nicht gestillt. Absichten und Ideen liegen alleinig in den Kräften des Künstlers und entstehen unter seinen Händen während eines spontanen und sehr geduldigen Arbeitsprozesses. Es entstehen Wolken, Bäume und Berge, wobei es sich um sinngefällige Assoziationen handelt, die seit 1971 mit farbigem Lack weiterbearbeitet werden. Die anfangs kleinformatigen Werke greifen mittlerweile immer mehr in den Raum ein und entwickeln – ausgehend ihrer irrational aus Impulsen entstehenden Arbeit – mit ihren Buckeln und Höhlungen im Wechselspiel mit Licht und Schatten eine ganz eigene Dynamik. Cimiottis Unikate ähneln nicht einer geschaffenen Natur, sondern einer schaffenden Natur. Es sind autonome Landschaftsplastiken, die der Wirklichkeit entsprechen, diese allerdings nicht abbildet. Ganz im Sinne: „Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern sie macht Sichtbar“ (Paul Klee).

Als Betrachter wird man sich erst dem Werk des Künstlers nähern können, wenn man sich auf das „Schauen“ konzentriert, an einer Kunst, die an Entelechie erinnert.

Cimiotti erlangte bereits mit seiner ersten Teilnahme an der Dokumenta II in Kassel und Biennale in Venedig 1958 internationalen Rang. Seine Werke befinden sich in bekannten Sammlungen und Museen.

FOTOS

Emil Cimiotti_1

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Abbildungsnachweis Emil Cimiotti:

Emil Cimiotti_1: http://www.patricekunte.de/tl_files/patricekunte/images/blog/K%C3%BCnstlerportraits/06_EmilCimiotti_1_blog.jpg

Emil Cimiotti_2: http://www.oberpfalznetz.de/onetz/Media2011/3/102/83/3143072.jpg

Emil Cimiotti_3: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/cimiotti103_v-contentgross.jpg

Emil Cimiotti_4: Emil Cimiotti am 7.9.1992 in seinem Atelier in Braunschweig, aus: Timm Gierig, Emil Cimiotti (Ausst.kat), S. 64.