(* 21. Mai 1937 in Lindau am Bodensee; † 26. November 2005 in Quadrath-Ichendorf)

Dieter Krieg zählt zu den Hauptvertretern des Figurativen Expressionismus, dessen
Œuvre bestimmt ist durch eine ausdrucksstarke Gegensätzlichkeit, die sich sowohl inhaltlich als auch formal äußert. Diese zweigleisige Strategie seiner Kunst findet sich bereits in seiner Zeit an der Kunstakademie in Karlsruhe. Krieg wurde von 1958 bis 1962 von HAP Grieshaber und Herbert Kitzel unterrichtet, deren künstlerische Auffassung unterschiedlicher nicht hätte sein können. Der Künstler dozierte fast 25 Jahre als Professor an der Akademie und brachte Schüler mit erfolgreichen internationalen Karrieren hervor.

Kriegs vielfältiges Werk bildet trotz scheinbar äußerlichen Diskontinuität eine in sich geschlossene Einheit, die als coincidentia oppositorium interpretierbar ist. Seine Themen – Abbildungen von banalen Gegenständen – folgen in seinem Gesamtwerk einer konsequenten Linie, jedoch steigerte sich sein malerisches Mittel von anfänglichen konzeptuellen Arbeiten immer mehr zu abstrahierten und reduzierten Objekten. Wie auch das Bildsujet blieb seine Intension durchweg beständig, wobei er sich auf die Suche nach der Idee des menschlichen Daseins begab.

Durch virtuose Pinselstriche aus Akryl- oder Ölfarbe erschaffte Krieg Ende der 70er Jahre auf großformatigen Bildern eine Art Matrix seiner eigenen Malerei, auf denen er auf befremdliche Darstellungsweise Gläser, Taschenlampen oder Pommes Frites – teils mit Vokabular – präsentiert. Bestehend aus einem in sich verschlüsselten und ambivalenten Charakter symbolisieren seine aus der physischen Entität stammenden Objekte sowohl Tod oder Krankheit als auch Leben, wodurch dem Betrachter eine irreal-reale Welt suggeriert wird, in der Irritation, Widersprüche und unrealistische Begegnungen stattfinden.

Bei eingehender Untersuchung der Werke Kriegs wird deutlich, dass die scheinbare Spontaneität der Malweise und die banalen Bildthemen keine Zufälligkeit, sondern Zeugnis einer exakten Überlegung sind, denn Krieg kann – wie er selbst sagt – nicht irgendwas x-Beliebiges zum Motiv machen.

Im Alter von 68 verstarb der Künstler in seinem Atelier, dessen Arbeiten schon frühzeitig in namhaften Galerien und Ausstellungen sowie auf der Biennale in Venedig gezeigt wurden. Kriegs Kunst zeichnet sich insbesondere durch eine kontinuierliche und imposante Eigendynamik aus, die mit spannungsgeladenen Chiffren den Betrachter wachrüttelt und gleichzeitig verwirrt.

FOTOS

Dieter Krieg_1

Dieter Krieg_2

Dieter Krieg_3

Abbildungsnachweis Dieter Krieg:

Dieter Krieg_1: http://www.stiftung-dieter-krieg.de/images/portrait2_gr.jpg

Dieter Krieg_2: http://www.netzeitung.de/articleimages//78/78107468795758442730.jpg

Dieter Krieg_3: http://images.artnet.com/images_DE/Magazine/reviews/mueller/mueller08-12-08-9.jpg