(* 31. Mai 1915 in Schneidemühl (Pila), † 14. April 2005 in Köln)

Bernard Schultze studierte von 1934 bis 1939 an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin und an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seine frühen Arbeiten wurden beim Angriff auf Berlin im Jahre 1945 vollständig verbrannt.

1951 entstanden seine ersten informellen Bilder und ein Jahr später gründete er gemeinsam mit Otto Greis, Heinz Kreutz und Karl Otto Götz die Künstlergruppe Quadriga in Frankfurt am Main, die Kerngruppe der deutschen Kunstrichtung Informel.

Schultze löst sich in seinen Aquarellen, Ölgemälden und Zeichnungen von der formalistischen Abstraktion, sowie Figuration, um sich der internationalen Avantgarde von Tachismus und Action-Painting anzuschließen.

Nach 1955 schuf er erste Reliefbilder, in denen er verschiedene Materialien auf die Leinwand anbrachte. Hierbei resultierte eine Serie der sogenannten „tabuskris“ (tabulae scriptae), in denen Malerei, Zeichnungen und Alltagsgegenstände miteinander verschmolzen. Ab 1961 erweiterte er seine Malerei in die dritte Dimension, wodurch polychrome Skulpturen – „Migofs“, wie er sie selbst titulierte – in phantasmagorischen Formen, entstanden.

Die Basis seiner individuellen und detailreichen lyrischen Abstraktionen ist die Natur – insbesondere der Wald mit Wurzeln und Gewächsen –, in denen er eine ganz eigene hermetische Gegenwirklichkeit konstruiert. Diese Anspielung auf die Natur löst beim Betrachten seines Œuvres unterschiedlichste Assoziationen aus.

Seit Kriegsende waren Frankfurt, Köln und Paris wichtige Stationen des Phantasten Schultze. Dieselben Städte, in denen der Realist Gustave Courbet im 19. Jahrhundert entscheidende Inspirationen sammelte.

Schultze zählt zu den bedeutenden Wegbereitern der deutschen Nachkriegs-Abstraktion. Bis zu seinem Tod im Jahre 2005 arbeitete er intensiv an seinem beeindruckenden Alterswerk.

 

FOTOS

Bernard Schultze_2

Bernard Schultze_1

Abbildungsnachweis Bernard Schultze:

Bernard Schultze_1: Das Künstlerehepaar Bernard und Ursula Schultze und Timm Gierig im Kölner Atelier; in: Bernard Schultze. Arbeiten auf Papier aus Paris und Ragaz, Timm Gierig – Frankfurt, S. 19.

Bernard Schultze_2: Bernard Schultze mit Rauno Gierig in seinem Kölner Atelier, in: Bernard Schultze. Zum fünfundachtzigsten Geburtstag, Timm Gierig – Frankfurt.