(* 20. August 1928 in Grünthal bei Rosenheim; † 07. Januar 2010 in Faistenhaar)

Der gelernte Schreiner Andreas Bindl studierte von 1948 bis 1954 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Josef Henselmann, dessen Meiserschüler er wurde. Seitdem arbeitete er als freischaffender Künstler.

Der Leitgedanke in seinem Werk war die Parität von Tier, Pflanze, Mensch und Gerät. Diese Motive verarbeitete er konstant in einem aphoristisch zeichnerischen Stil in seinem Gesamtwerk, wobei er sowohl auf technischer als auch materialistischer Ebene experimentierfreudig gewesen ist, neue Bildformen zu kreieren.

Zu seinen ersten ‚Bildobjekten‘ gehörten die ‚Interieurs‘, wobei er in den 70er Jahren Materialbilder mit einer melancholischen Deutung schuf, deren Bildgrund mit Polstermaterial unterfüttert wurde. Die hieraus resultierende Plastizität gewinnt – trotz der monochrom gehaltenen Farbgebung von Schwarz und Weiß, vermutlich verankert aufgrund seiner Bildhauertätigkeit – durch Schatten an räumliche Szenerie.

1986 verbrachte der Künstler zehn Monate in der Villa Romana in Florenz. Dieser Aufenthalt kann als Fixpunkt seines veränderten Formprinzips in späteren ‚Bildobjekten‘ betrachtet werden. Es folgte eine Reduktion seiner Figuren, in dem sie in krakeligen Linien und teils nur angedeutet erschienen, wobei er sich zeichnerisch der informellen Kunst annäherte. Das Spiel mit seinen beiden kontrasthaltigen Farben vollzog sich durch sein Gesamtwerk. Seine hinterpolsterten Stoffe wurden durch gerissenes und sperriges Papier ersetzt, wobei in seinen Arbeiten der modellierte Relief-Charakter bestehen blieb. Es entstanden symbolhafte emotionsgeladene Figurationen, die eine Vergänglichkeits-Metaphorik darstellen. Vögel als Boten des Todes, Schiffe veranschaulichen die Reise des Lebens, Berge verweisen auf die Ewigkeit.

Diese Inszenierungen erinnern an religiöse Darstellungsweisen von Kultobjekten, wobei diesbezüglich eine interpretatorische Annäherung eher vorsichtig unternommen werden darf, denn „Ich [Bindl] will keine Thematik finden, die stimmt. Es geht mir um etwas Atmosphärisches, Stimmungshaftes. Findet man Inhalte, so sollte die Inhaltlichkeit gleich wieder aufgebrochen werden. Es geht immer um das Poetische.“

Ob er seine verrätselten Arbeiten mit Gouache, Kreide oder Kohle anfertigte, es finden sich in all seinen Werken u. a. manieristische, romantische, klassizistische und expressionistische Züge. Für Timm Gierig sind „Beuys und Dubuffet, mit Art brut und Spiritualität, (…) Bindls erkorene Kameraden im Geiste.“

In seinen jüngsten skulpturalen Arbeiten widmete sich der Bildhauer Flächen, bestehend aus Elementen, die er aus Aluminiumblech herausschnitt und im Anschluss zu scharfkantigen Körpern zusammennietete.

Bindl war u. a. Mitglied in der Münchner Künstlervereinigung Neue Gruppe und wurde 2002 – 8 Jahre vor seinem Tod – mit dem Egmont-Schaefer-Preis ausgezeichnet.

 

FOTOS

Andreas Bindl_2

Andreas Bindl_3

Andreas Bindl_4

Abbildungsverzeichnis Andreas Bindl:

Andreas Bindl_2: Andreas Bindl, Figur – Natur, DASA Galerie (Ausst.kat.), S. 2.

Andreas Bindl_3: Andreas Bindl, Figur – Natur, DASA Galerie (Ausst.kat.), S. 7.

Andreas Bindl_4: Andreas Bindl, Bildobjekte und Zeichnungen, Timm Gierig (Ausst.kat.), S. 2.