Künstler im Fokus – Isa Dahl u. Daniel Wagenblast

Wie gut, dass das Nachdenken über zeitgenössische Kunst nicht an der eigenen Imagination hängen bleibt, sondern durch das lebende Wort der betreffenden Künstlerposition ergänzt wird.
Dies sollte nicht zur Meinung beitragen, dass ein komplettes Verständnis eines Kunstwerks angestrebt wird. Eher soll hier der Mehrwert angemerkt werden, wenn sich Kunstschaffende ergänzend zu ihrer visuellen Arbeit – und darüber hinaus – äußern.
Im Austausch mit Isa Dahl und Daniel Wagenblast über deren Arbeitsweise, ihr Leben als Künstlerpaar und die Situation der aktuellen Kunstszene wurde mir gleichzeitig auch ihre Kunst vertrauter. Im besten Fall wird dies auch Ihnen so gehen, wenn Sie den Bericht des am 10. Juni 2015 geführten Interviews lesen.

Dahl und Wagenblast kennen sich seit ihrer Ausbildungszeit an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Stuttgart. Dort leben sie nun auch gemeinsam und arbeiten in getrennten Ateliers.
Nach dem täglichen Arbeitstag steht die Familie an der Tagesordnung. Da die Arbeit am Werk ein unaufhörlicher Prozess ist, bleibt dies Gesprächsthema im Alltag. Eigene Exponate gibt es in der eigenen Wohnung jedoch keine, um zu verhindern, „bekloppt zu werden“ (Wagenblast).
Die künstlerische Sprache hat bei beiden den Ursprung in der Malerei. Während ihr Dahl weiterhin verhaften blieb, holte Wagenblast irgendwann seine gezeichneten Figuren von den aus dem Wald geholten Baumstämmen heraus.

isadahl2014
Isa Dahl, 2014

Isa Dahl interessiert sich für hoch komplexe Gebilde, die aus den einfachsten Mitteln durch Inspiration aus dem eigenen Umfeld entstehen. Die Künstlerin verfolgt eine sehr exakte und geplante Malweise, indem sie Farbschichten in Lasurtechnik in einer mit Energie versehenen Bewegung miteinander vermalt. Die zu Farben gerührten Pigmente werden einerseits auf der Palette vermischt, andererseits beim Auftrag auf die Leinwand – sind also nie rein. Die Entstehung eines Bildes, bei dem immer eine bestimmte Idee verfolgt wird, ist ein längerer Arbeitsgang, der sich manchmal schneller und manchmal gar nicht auflöst. Abgeschlossen ist der Prozess für Dahl, sobald das Bild zum Gegenüber wird und während seiner Entstehung eine Eigenständigkeit entwickelt hat.

Arbeiten von Isa Dahl und Daniel Wagenblast aus der Ausstellung im Jahr 2015.
Arbeiten von Isa Dahl und Daniel Wagenblast aus der Ausstellung im Jahr 2015.

Daniel Wagenblast mag einfache Dinge. In seiner Arbeit bevorzugt er eine grobe Bearbeitung des Materials – bei unbeabsichtigter zu glatter Behauung wird die Skulptur mit der Kettensäge wieder aufgeraut wird, um sie unfertig aussehen zu lassen. Der Arbeitsprozess einer Figur zieht sich über Wochen, wobei der Bildhauer immer an derselben Figur und nie an mehreren gleichzeitig arbeitet. Seine Menschen-Prototypen, die immer mit einem Ding – Tiere, Pflanzen, Maschinen – existieren, sind im Grunde Abbilder des Künstlers selbst mit einem Objekt, über deren Beziehung man sich bei Bedarf eine Geschichte ausdenken kann.

Daniel Wagenblast
Daniel Wagenblast

Trotz unterschiedlicher Arbeitsweise der beiden Künstler ergibt sich das ein oder andere Mal durchaus eine gegenseitige Befruchtung, dies vor allem dann, wenn einer der beiden nicht mehr weiter weiß. Schlussendlich erzählen beide auf einfache Weise eine Geschichte, die niemals kritisch, nie politisch oder Welt-erklärend sein soll.
Konkurrenz untereinander existiert aufgrund ihrer unterschiedlichen Formensprache glücklicherweise nicht. Obwohl Frauen laut Dahl in einem gewissen (jüngeren) Alter nicht so ernst genommen werden wie männliche gleichaltrige Kollegen, fühlt sich Dahl als Frau in der Kunstwelt nie benachteiligt. In Bezug auf Künstlerkollegen meint Wagenblast, dass die junge Generation den Kunstmarkt verstopfe, während Dahl neue Impulse eher als interessant empfindet.

Im Hinblick auf ihr Künstlerdasein sind sich Dahl und Wagenblast jedoch einig: das Glück, seine eigenen Sachen zu machen und sich dabei nicht verbiegen zu müssen.

Künstler im Fokus: Isa Dahl u. Daniel Wagenblast
Im Gespräch mit Iris Nocker, Kunsthistorikerin, im Juni 2015.