Fritz Fröhlich, Zum 100. Geburtstag des Künstlers (1910-2010)

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Anläßlich der Ausstellungseröffnung am 18. Juni 2010 zum 100. Geburtstag des Künstlers Fritz Fröhlich (1910-2010) liest Lieselotte Gierig diesen Brief vom 1.1.1997 von ihm an seinen Galeristen Timm Gierig.

Lieber Herr Gierig,
nochmals danke ich Ihnen für Ihren Besuch zum Jahresende.

Über das bei dieser Gelegenheit Besprochene hinaus wäre es vielleicht doch  nützlich, die Gründe für den Sujetwechsel, wie er sich  in den Bildern aus der letzten Periode zeigt, näher zu betrachten.

Zwei 1995 entstandene Bilder, die den Titel „Am Zeitbeginn“ tragen, waren Anstoß zur  Überlegung, dass, genau genommen,  auch alle vorangegangenen Arbeiten gleichermaßen motiviert waren.

ZEITBEGINN  – , das kann nur bedeuten: In jenem „Augenblick“ des Evolutionsablaufes, in dem das vormenschliche Geschöpf zum Bewusstsein seiner selbst gekommen ist, sich als vergängliches Wesen erlebt hat, konnte sich der Begriff  ZEIT  bilden.

Somit ist dieser „Augenblick“ die GEBURTSSTUNDE DER METAPHYSISCHEN UNRUHE und wurde zur Keimzelle für sämtliche Religionsgründungen,  sowie alles dessen, was wir unter den Begriff KUNST zu subsumieren gewohnt sind.

Dieses zentrale, auf der ontologischen Ebene liegende Problem, versuchten Gesellschaftstechniker demiurgisch auf der soziologischen Ebene zu lösen. Der Zusammenbruch ihrer Strategien hinterließ einen chaotischen Zustand, der einen tristen Kulturfond ausfilterte, den zum Modetrend hochzustilisieren das trostlose Fazit  unseres Jahrhunderts werden sollte; grotesker Weise im Gegensatz zum praktizierten Lebenswillen.

Es schien mir an der Zeit die schwarze Flagge einzuholen.

So jedenfalls zeigte sich mir das Rahmengerüst, das mich veranlasst hat, innezuhalten.

Verständlich dass in dieser  Besinnungsphase mein Augenmerk auf das Ausdrucksmittel gerichtet war.

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Herr Gierig, Sie haben den Wunsch geäußert einige Beispiele aus diesem kurzen Abschnitt meiner Gesamttätigkeit in die geplante Ausstellung zu integrieren. Persönlich wäre es mir lieber, Sie würden davon absehen, weil Betrachter, die mit dem Handwerk eines Malers nicht vertraut sind, verwirrt werden könnten. Es handelt sich dabei ja um den Versuch, durch starke Reduktion in der Wiedergabe des Erscheinungsbildes Mensch  ein Kürzel zu finden, das dennoch die  existenzielle Problematik des Menschen sichtbar werden ließe. Und ich glaubte, nach relativ kurzer Zeit des experimentierens, resümieren zu dürfen:

Je größer der Abstand zur Sehtatsache, je abstrakter also das Gebilde, desto klarer und bildgeometrisch befriedigender formierte sich das Konstrukt – und, als Konsequenz, desto weniger wäre es imstande, im Betrachter reflektierende Regungen seines seelischen Bestandes in Bewegung zu setzen.

Damit waren die Akte über dem Versuch geschlossen.

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Was nun?

Wenn der Mensch die interessanteste Erscheinungsform dieser Erde ist, so sind es dessen Artefakte an zweiter Stelle.

Jericho, Babylon, Altchina, Europa – Tempel, Pagoden, Nekropolen, Kathedralen.

Was lebt noch?    WIE lebt es?

Der geheime Impuls, der einstmals die Gebilde entstehen ließ, er ist es, der auch uns Heutige in Bewegung setzt, –

Plötzlich sah ich die Möglichkeit, eine Serie von Bildern dem Thema zu widmen.

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Der Standort meines Sicht musste weit außen liegen. Nur mit großem Abstand im Betrachten der historischen Abläufe, der kaleidoskopartigen Arrangements der Gestaltungen und Umgestaltungen, Verwerfungen, Brüche, Ballungen und Auflösungen war zu erwarten, dass sich Bilder auf sphärischem Grund abzeichnen würden.

Ein faszinierender Prozeß, quasi in Götternähe und darum heiter, trotz der Tatsache, dass die Bilder auch metaphysischen Schatten werfen würden in ihrer Eigenschaft als Generatoren der Schönheit, als Spiegelreflex der Transzendenz.

„Ja, und der Mensch“, höre ich Sie Fragen, „hat er keinen Platz mehr auf ihren Bildern?“ Nun, ich glaube, dass er wiederkehrt. Vielleicht gestreut, so wie die Rosinen im Dresdner Stollen, wenn auch dicht. Vielen Dank übrigens für den mitgebrachten Kuchen, er war vorzüglich. Bitte verfahren Sie mit dem Brief nach Gutdünken, Sie haben freie Hand!

Herzlich grüßen Ihre

Fritz und Beate Fröhlich, Wilhering, 1.1.1997

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– AUSSTELLUNG –
Fritz Fröhlich, Zum 100. Geburtstag des Künstlers (1910-2010)

– INFORMATION –
Vernissage: 18. Juni, 19.00 Uhr
Dauer: #
Ort: Galerie im Hotel & Gasthof Steinerwirt, Familie Hofer, Lofer 48, 5090 Lofer, Österreich

Es begrüßt Sie: Timm Gierig
Es spricht: Lieselotte Gierig

Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung ein.

– HINWEIS –
In Kooperation mit dem Kulturverein Binoggl.