Dieter Krieg, Das kleine Format

Dieter Krieg-Schallplatte

Wenn Dieter Krieg in seinen Bilderserien ganz unspektakuläre Motive wie Schallplatten, Hähnchenteile, Schornsteine, Kanapees, Salatköpfe oder Krückstöcke wählt, dienen diese für Malerei auf großen Flächen an und für sich. Oftmals ist der Anlaß für ein Motiv ein ganz persönlicher, so z.B. der Ärger über die Nachbarschaft, die schon wieder Plastiktüten verbrennt (Schornsteinserie).

Kleinformatige Bilderserien entstanden, bis auf wenige Ausnahmen, aus gesundheitlicher Beeinträchtigung (Seifen- oder Beutelfolge). Zwischen Claes Oldenburgs Gi gantomie der Objekte und Lovis Corinths Malwut steht nun ein Drittes, das beide vereint.

Das Farbgetümmel ist warm, oft wie Lehm und Erde, zum Kontrast blitzt kalt ein Schatten, ein kalter Gegenstand drunter und drüber. Krieg hält das Unbehagen am Banalen in seinen riesigen bis zu 5×2 Meter Querformaten, die die Bühne für die Dramen des Alltags sind, in der Waage. Der wabbelige Tonabnehmer auf der Schallplatte wird zum Organ. Gehört es zur Platte, so ist es doch fremd wie das verschnürte Kotelett auf einem der Kanapee Sujets (12-teilige Sofa-Serie).

Dieter Krieg studierte bei HAP Grieshaber und Herbert Kitzel an der Kunstakademie Karlsruhe. Ab 1971 unterrichtete er an der Kunstakademie in Karlsruhe und an der Städelschule in Frankfurt und ab 1978–2003 als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Er vertrat 1978 Deutschland bei der Biennale in Venedig und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Peter Iden, Gründungsdirektor des  Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, erwarb schon sehr früh eine wichtige Arbeit des Künstlers für das Museum, die in der Ausstellung “Bilder für Frankfurt” im Architektur-Museum gezeigt wurde. Leider wurde es fortan im MMK nicht mehr gezeigt. Über größere Bestände verfügt die Galerie der Stadt Stuttgart, die von Johann Karl Schmidt für das Museum gesammelt wurden. Auch Klaus Gallwitz hat sich unermüdlich für Dieter Krieg eingesetzt.

Dieter Krieg-Portrait mit Irene

Dieter Krieg war ein belesener, introvertierter Mann. Großmundige Auftritte oder große Gesten waren ihm fremd – seine Kunst allerdings ist das nicht, sie wird das aktuelle Kunstgeschehen überdauern.

Dieter Krieg schied im November 2005 freiwillig aus dem Leben. Am 21. Mai 2007 wäre er 70 Jahre alt geworden.

 

– AUSSTELLUNG –
Dieter Krieg, Das kleine Format

– INFORMATION –
Vernissage: 27. September 2007, 19:00 Uhr
Dauer: 27. September – 23. November 2007
Ort: Kanzlei Baker & McKenzie, Bethmannstraße 50-54, 60311 Frankfurt am Main

Es begrüßt Sie: Axel Hamm, Kanzlei Baker & McKenzie
Es spricht: Peter Iden, Theater- und Kunstkritiker

Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung ein.