(* 05. September 1888 in München; † 05. April 1982 in München)

Im Alter von 20 Jahren begann Toni Stadler seine Laufbahn als Bildhauer in Berlin bei August Gaul. Sein Lehrer war ein herausragender Tierplastiker, wodurch die Aufmerksamkeit seines Schülers eindringlich auf die Natur gelenkt wurde. Hieraus entwickelte sich das akribische Gespür von Stadler gegenüber organischen Formen. Auch wenn sich sein Œuvre – bestehend aus Zeichnungen, Bronze- und Terrakottastatuen – auch in ihrer Darstellungsform reduzierte, so standen seine Werke immer unter dem Aspekt des Organischen und der Schöpfung, im dem sich alles gründet.

Die Kunst der Antike und des Barocks gehen in seinem Gesamtwerk eine Synthese ein, jedoch nicht, indem er ihre Ideale übernahm, sondern weil er sie neu interpretierte: Stadler greift auf die Antike zurück, allerdings ohne den Drang nach Schönheit zu streben und bedient sich der barocken Tradition, wobei er auf dekorative Elemente verzichtet.

Getrieben von der Angst, dass seine Kunstwerke „zu schön“ sein könnten, veranlassten den Bildhauer oftmals dazu seine Werke zu zerstörte. Er befindet sich an einer Grenzsituation: er selbst strebt nach einem Ideal und ist sich bewusst, dass der eigene Standpunkt nicht verloren gehen darf. Findet in einer Skulptur dieser Ausgleicht nicht statt, so kommt deren inneres Gleichgewicht ins wanken und ebenso der Künstler.

Stadler drängt es dazu, seine Figuren in ihrer Form zu reduzieren. Für den Bildhauer stellt das Fragmentarische eine autonome plastische Form – ein Ganzes – dar, in der sich Harmonie und Schönheit vereinen. Obwohl seine Skulpturen lächeln, leise trauern oder den Blick in die Ferne schweifen, so lassen sie alles offen und tragen ihr eigenes Geheimnis in sich.

In der Spätphase seines künstlerischen Schaffens entstehen Gebilde, die sich zwischen Gefäßformen und menschlichen Figuren bewegen. Die Torsi sind geöffnet, wodurch ihre Körper zu einem Gefäß für etwas Geistiges werden: Im Verzicht entwickeln sie ihre sinnliche Kraft.

Das Variieren von Formen und der Oberflächenbeschaffenheit war typisch im Werk von Stadler, so war der Entstehungsprozess eines Werkes nicht unbeteiligt, um daraus neue Inspirationen zu schöpfen. Die Zufälle beim Giessen regten seine Phantasie zu Veränderungen an, denn „Ich will und kann nur selten bei einem bestimmten Thema bleiben: durch mein Handwerk ergeben sich Gedanken und Formen, die meiner inneren allgemeinen Formvorstellung entsprechen und mir einen Ausgleich geben zu all dem, was wir heute von außen erleben und erleiden.“

Der Sohn von Landschaftsmaler Toni von Stadler studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Hermann Hahn sowie in Paris bei Aristide Maillol. Er wurde als Professor an die Städelschule in Frankfurt am Main und in München berufen und nahm 1955, 1959 und 1964 an der dokumenta teil.