(* 08.11.1935 Steinau, Schlesien)

Karls gesamtes künstlerische Œuvre ist geprägt von einem fast einzigen Bildmotiv, das aus reduzierten figurativen Akteuren besteht, die mit ihren stereotypischen Gestiken und Haltungen an Comicfiguren erinnern. Seine Aquarelle und Ölgemälde bestanden anfangs aus Pop-Art und Farbfeldmalerei, die 1968 von farbigen Streifenbildern abgelöst wurden, die er bis 1973 anfertigt. Mittlerweile bevölkern seine nach Zufall arrangierten Strichmännchen teils auf einfarbigen Grund, teils in jeweils gesonderten kolorierten kastenähnlichen Gebilden die Leinwände und erweckt den Eindruck von Comic strips. Die genannten Streifen treten jedoch nicht nur in Form von Bildkästen aus, sondern lassen sich in den Röcken, Pullovern und Badehosen seiner Karikaturen wiederfinden. Somit hält er an seine früheren Streifenbilder fest, die ihn zu einem Anarcho-Traditionalisten machen.

So gegensätzlich wie Karls Lehrer Heinz Trökes und Emil Schumacher an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg – an der er von 1957 – 1961 studierte – gewesen sind, so diametral ist sein Sinn, die Leinwand malerisch oder nach den Gesetzen des Drip-Paintings zu kolorieren. Weitere Kontraste finden sich in seiner zeichnerischer Umsetzung, indem er seine figürlichen Silhouetten mit Farbe skizziert oder jene in die Farbhaut der Leinwand oder des Papiers einkratzt. Die abgebildeten Männlein und Weiblein agieren wie auf einer Theaterbühne. Die Art ihrer Darstellung lassen Dramen und Konflikte evozieren. Darüber hinaus forcieren sie Grenzüberschreitungen, in dem die Figuren oftmals nackt und die Männer mit erregierten Glied zeigen. Es sind Tabus, von denen wir oft nur träumen und phantasieren. Ein ständig unerfülltes Begehren nach Intimität und Verschmelzung findet sich ebenfalls in den Karikaturen wieder, denn jede Figur steht für sich und vereinzelnd auf der Leinwand und streckt hoffnungslos mit seinen überproportionalen gespreizten Händen und Armen in die Ferne. Oder ist diese Stellung einer Abwehr bestimmt?

Der Maler erhielt im Januar 2014 den Kunstpreis der SPD-Landtagsfraktion von Niedersachsen. Diese Auszeichnung verdankt Karl nicht allein seinen herausragenden und anspruchsvollen Kunstwerken, sondern ebenso seinem „Doppelleben“ als Künstler und Kunstlehrer. Seinen pädagogischen Auftrag realisiert er auf bemerkenswerte Weise, wobei er sich die Frage stellt: „Wie wollen wir erfüllt leben und arbeiten?“

 

ARBEITEN

Papierarbeiten

Papierarbeiten, klein

Ölbilder, Kleinformat

 

FOTOS

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