(* 22. November 1936 in Recklinghausen; † 23. Oktober 1996 in Hamburg)

Betrachtet man das komplexe bildhauerische Œuvre von Edgar Augustin, spricht es in einer ganz speziellen Sprache zu uns. Die Kunstfiguren bewegen sich zwischen Ursprünglichem und Künstlichem, zwischen Mensch und Puppe, zwischen Wirklichkeit und Abbild, zwischen Bewegung und Stagnation. Seine Werke wirken phantasmagorisch, sie scheinen belebt zu sein. Diese starke Ausdrucksform gründet darin, dass Augustin die Lebendigkeit, die Physiognomie des Individuums versteht.

Seit Beginn seines Schaffens steht die Zeichnung entweder als selbständiges Medium neben der Plastik oder er greift auf sie als Werkzeichnung zurück. Sie dient – gleichsam der figurativen Werke – als Weg zum Nachempfinden von Körper- und Naturformen. In ihrer Art leicht und mit Sinn für die Kontur werden sie zeichnerisch auf das Blatt gebracht.

Seine Bronze- oder Holzskulpturen – teils als Torsi – erinnern an die Arbeiten von Auguste Rodin. Er erschafft Gestalten, deren Körper von Fesseln gekennzeichnet sind oder gemäß Christo verhüllt werden. Sie treten als sitzende, kauernde oder kriechende Figuren dem Betrachter gegenüber. Sie suchen keinen Blickkontakt und tragen ihren physischen Ausdruck nicht nach außen, denn dieser existiert nur im Inneren der Skulpturen. Was möchten sie uns mitteilen? Der Künstler äußerte sich kaum über den Gehalt und Anlass seiner Arbeiten. Dafür hingegen – wenn auch lakonisch, dafür professionell – über die Formgebung.

Signifikant ist seine eigene Art ein sogenanntes „Flickwerk“ zu schaffen. Skulptur muss nicht der klassischen Tradition zu Grunde liegen und aus einem Stück gegossen oder gebaut werden: Der Bildhauer dübelte demnach Büsten, Köpfe und Aktfiguren aus einzelnen Holzstücken – wie Mosaikstückchen – zu einer kompakten Form zusammen. Der Künstler denkt in Gegenständen und nicht an Inhalt oder Begriffen, die sich leicht als Worte äußern lassen. Zudem nimmt der Raum, der die Figuren umgibt, eine immanente Stellung ein. Es entsteht nicht nur ein Bezug jeder einzelnen Figur zum Raum, sondern die Skulpturen stehen wie die Glieder einer Kette zueinander.

Nach seiner Goldschmiedlehrer Mitte der 50er Jahre besuchte er ab 1958 die Bildhauerklasse von Karl Ehlers an der Werkkunstschule Münster. Ab 1960 setzt er sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste bei Gustav Seitz in Hamburg fort und absolviert dieses fünf Jahre später.

Augustin lebte lange Zeit in Hamburg. Dort gestaltete er auch Anfang der 90er Jahre eine Reihe von Frauenköpfen, die er aus Holzklötzen fertigte. Diesbezüglich klang eine neue Entwicklungsphase an, die vom frühen Tod des Künstlers vorzeitig beendigt wurde.