Künstler im Fokus – Erich Smodics im Interview

Im Rahmen der Reihe Künstler im Fokus gibt uns Erich Smodics anläßlich der Ausstellung am 24.7.2014 in einem Interview Einblick in sein Werk und Schaffen.

Lieber Herr Smodics, der Mensch nimmt in ihrer Kunst die zentrale Rolle ein. Worin gründet diese Intension?

„Unser menschlicher Körper inspiriert uns zur Wissenschaft und zur Kunst und steht für eine allgemeine Anschauung. Das Spannende der Physis ist, dass sie nicht stagnativ wie eine Landschaft ist.“

Gibt es unterschiedliche Sujets, die sie – je nach Wahl – eher mit Zeichnung, Malerei oder Bildhauerei ausdrücken können/möchten?

„Die Landschaft wird für mich erst zum ernsten Thema, wenn Verletzungen auftreten. Insbesondere Werke aus den 70er Jahren beinhalten diese Motivik. Es handelt sich um ein „Nebengleis“, wenn in meiner Kunst Landschaft aufkommt.

Zu meinen Titeln möchte ich sagen: Ich sehe mich als Figurist und Kunstanatom, der die Schönheit unserer Körperarchitektur als Übergebäude in die Arbeiten einfließen lässt. Ich bilde das Körperliche nicht direkt ab, aber es veranlasst mich, die Figur richtig darzustellen.“

Wie entsteht die Idee zu einer Arbeit? Unterliegt sie einem Gedanken, der sich im Kopf verankert und einem längeren Entstehungsprozess mit evtl. einer zeichnerischen „Vorarbeit“ unterliegt oder handelt es sich um eine spontane Ausführungen?

„Die Arbeit selbst ist die Idee. Aus ihr entstehen dann verschiedene Prozesse und Anschauungen.“

Erich Smodics Sitzfigur

Sie arbeiten innerhalb ihres Werkes mit unterschiedlichen Materialien. Gibt es – in Bezug auf Materialikonographie – stilistisch betrachtet, für die Wahl der Materialien einen bestimmten Hintergrund?

„Zu Beginn meiner künstlerischen Arbeiten habe ich mich mit der Technik der holländischen Öltemperamalerei auseinandergesetzt. Eine Materialikonografie mit Acryl kam erst im Laufe der Zeit.“

Ihre Figuren sind Allegorien für das menschliche Leben. Können Sie uns dieses Phänomen näher erläutern?

„Im Moment arbeite Ich an „Hauskörpern“ bzw. „Körperhäusern“. Für mich ist der Körper ein eigenes Haus. Erkrankt der Körper, so erleidet das eigene Haus einen Schaden oder geht kaputt. Direkte Verletzungen müssen nicht dargestellt werden, ich lasse sie im Gesamtbild miteinfließen.“

Erich Smodics Schrittmacher

Und die Farbe? Laut dem Schweizer Psychologen und Philosophen Max Lüscher steht die Farbe Braun, die man in sämtlichen Nuancen in Ihren Arbeiten wiederfindet, für die Suche nach Geborgenheit. Stimmen Sie dieser Auffassung zu oder steckt eine andere Intension dahinter?

„Zur Zeit steht Braun für nichts. Ich tendiere jedoch zur Farblehre von Johannes Itten als zu Max Lüscher´s Farbtheorie. Bei Itten – dem Begründer der Farbtypenlehre – resultieren alle Farbtöne, das stellt für mich die beste Lehre dar. Ich habe mich auch intensiv mit den Komplementärkontrasten auseinandergesetzt. Sogenannte „Quadratenmaler“ kopieren und malen rein aus dem Buch von Itten heraus.“

Woher nehmen Sie Inspiration für neue Werke und Ideen?

„Es gibt Bilder, die wirken für mich wie Eltern und bekommen irgendwann Kinder. Ideen sind eigentlich gar nicht gut. Manche Idee wird in der gesamten Werksgruppe zu einem Weisenkind.“

Aufgrund Ihres expressiven Stils lassen sich In Ihrer Kunst Einflüsse von Otto Dix, dessen Werke dem Realismus und der Neuen Sachlichkeit angehören, nachempfinden, der einst sagte: „Ich bin bemüht, in meinen Bildern zur Sinngebung unserer Zeit zu gelangen, denn ich glaube, ein Bild muss vor allem einen Inhalt, ein Thema ansprechen. Malen ist ein Versuch, Ordnung zu schaffen, Kunst ist für mich Bannung.“ Teilen Sie diese Ansicht mit Dix?

„Das war vor 30 Jahren. In letzter Zeit reizen mich unterschiedliche Positionen von Künstlern, die nicht in den Fluss passen. Hierzu zählen z.B. die Werke des belgischen Zeichners und Bildhauers George Minne. Otto Dix, der in seinen Werken einen figurenstarken Stil vertritt, oder Max Beckmann hört man überall. Mein Interesse an Ihnen ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Minne´s Figuren sind sehr plastisch und werden von einem mystischen Symbolismus getragen. Sie liegen mir sehr nahe. Insbesondere beeindruckt mich der berühmte Brunnen von Minne, der sich im Osthaus Museum in Hagen befindet.

Ich sehe in den Arbeiten eine Anlehnung an das Œuvre des Realisten Gustave Courbet. Diesbezüglich kommt übrigens bald eine Ausstellung nach Basel, worauf ich mich sehr freue. Kürzlich war eine Ausstellung von Théodore Géricault in Frankfurt, dessen Werke – aufgrund der realistischen Genauigkeit der Dargestellten – faszinieren. Es sind Positionen, die mir sehr gut gefallen, aber nicht auf Inspirationsebene… Leider sind sie zu wenig bekannt für ihre Qualität.“

Sie thematisieren in Ihren Arbeiten Tod und Verlust. Sujets, die von vielen Menschen aus Angst verdrängt werden. Versuchen Sie in Ihren Arbeiten eine Brücke zu scheinbar unsichtbaren Gefühlen zu schlagen, um den BetrachterInnen womöglich die Furcht davor zu nehmen? Gemäß der Auffassung von Max Beckmann, der das Unsichtbare durch die Realität sichtbar machte?

„Das Thema Narzissmus habe ich in den letzten 5 Jahren auf eine Fahne geschrieben. Entsprechende Arbeiten zeigte ich bereits in den 1970er Jahren, in denen es um die Selbstbetrachtung jedes Menschen geht. Diesen Narzissmus kreise ich ein und verweise auf meinen Katalog „Leibgrenzen“.“

Erich Smodics Tessa Wassa