Richard Heß, Sitzen – Liegen – Stehen

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„Sitzen – Stehen – Liegen“ ist der Titel der Ausstellung, die dem Werk des Bildhauers Richard Heß gewidmet ist.  Mit diesen drei Verben werden elementare Zuständlichkeiten des menschlichen Körpers angesprochen. Es sind solche, in denen sich der Körper in einer Ruhelage befindet. Gehen, Rennen, Schwimmen oder gar Fliegen sind solche, bei denen der Körper seinen Standort verändert und von einer Lage zur nächsten aufbricht.

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Die Unterscheidung „Körper in Ruhe“ und „Körper in Bewegung“ mag ins Bewusstsein bringen, dass es sich bei Richard Heß um einen Künstler handelt, bei dem es um ganz elementare Dinge geht, die alle mit dem menschlichen Körper zu tun haben. Denn innerhalb der Bildhauerkunst sind vielfältige Positionen denkbar und auch verwirklicht, konstruktive, expressive bis hin zu Phantasmagorien. Richard Heß hält demgegenüber in seiner Kunst beharrlich am Primat des menschlichen Körpers fest. Dazu passt auch seine Notiz von Januar 2005: „ Die Bildhauerei war in Deutschland nie so gefährdet wie heute, da das Menschenbild immer mehr verloren geht. In unserem technischen Zeitalter haben viele Künstler Zuflucht zu missverstandenen Einflüssen primitiver Kulturen und banaler Maschinenteilen genommen. Es ist eine Zeit der Verwirrung, in der das Hässliche für schön und das Abstruse allein als wertvoll gelten.“

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Heß ist besessen von der Darstellung und Wiedergabe des menschlichen Körpers, vor allem dem der Frau. Nicht abstrakte Ideen oder Formprinzipien, sondern das reale So-Sein der menschlichen Figur bestimmt sein Schaffen. Dies legt nahe, von Richard Heß als von einem Realisten zu sprechen. Doch eine solche Einordnung muss hinterfragt werden. Denken wir bei einem Realisten an reale Alltagssituationen, so gibt es freilich in den Reliefs Duschkabine, Wachbecken, Frauenbein und Spiegel, aber generell geht der Zugriff auf den Körper über das hinaus, was die bloße realistische Wiedergabe ausmacht. Dass Personen als Einzelpersonen oder als Paar auftreten und diese Personen oft nackt sind, widerspricht jedenfalls der realen Alltagswahrnehmung. Solche Nacktheit begegnet bei den Griechen und Römern oder in der Renaissance. In diesen Fällen dient die Nacktheit dazu, die grundsätzliche Frage zu stellen, was der Mensch an sich sei, wenn man seiner ohne Kleidung, also ohne kulturelles Beiwerk, ansichtig wird. In Antike und Renaissance geht es dabei jeweils um eine Idealisierung des Menschen. In solcher Vollendung wie bei den antiken Statuen begegnet man freilich dem wirklichen Menschen niemals.

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Anders bei Richard Heß. Wie in der Antike wird der Mensch auch bei ihm oft seiner Kleidung als kulturellem Beiwerk entledigt. Auch bei ihm tritt der Mensch als Einzelfigur oder als Paar auf. Aber die Menschen von Heß werden nicht in gedachter Vollkommenheit dargestellt; es sind reale Personen, die uns schon einmal begegnet sein könnten. Insofern, wenn wir also die Figuren von Heß gegenüber denen des Idealismus abgrenzen, haben wir es bei ihm mit einer bestimmten Form von Realismus zu tun.

Horst Schwebel

 

– AUSSTELLUNG –
Richard Heß, Sitzen – Liegen – Stehen

– INFORMATION –
Vernissage: 6. Mai 2007, 11:00 Uhr
Dauer: 6. Mai – 5. August 2007
Ort: Galerie Dortmund der DASA, Deutsche Arbeitsschutzausstellung, Friedrich-Henkel-Weg 1-25, 44149 Dortmund

Es spricht: Gerhard Kilger, Direktor der DASA, Dortmund
Textbeitrag: Prof. Dr. Dr. h. c. Horst Schwebel, ehem. Direktor  EKD-Institut an der Phillips-Universität Marburg

Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung ein.

– HINWEIS –
Anm. d. Red.: Auszug aus dem Text des begleitenden Kataloges zur Ausstellung